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Kommentar auf spektrum.de, 27.3.2015 - Link

Fitness-Apps speichern Daten im Netz, selbst Ärzte greifen darauf zurück. Wer Zugang zu diesen hat, weiß mehr über uns, als uns lieb ist. In Zukunft könnten wichtige Entscheidungen anhand von diesem Wissen getroffen werden. Deshalb gehört es besser geschützt.

Viele Sportler nutzen Fitnesstracker, um ihr Training zu optimieren. Die Daten werden in der Cloud gespeichert, denn für eine lokale Speicherung und Auswertung sind die mobilen Geräte häufig nicht leistungsfähig genug. Eine wachsende Zahl an Apps bietet sich darüber hinaus an, Gesundheitsdaten von verschiedenen tragbaren Geräten zu sammeln, im Netz zu speichern und auszuwerten. Auch Mediziner setzen verstärkt darauf, Patientendaten online zu speichern, denn dort seien sie „sicher und stets verfügbar“, wie beispielsweise ein Arzt sagt, der Piloten auf ihre Flugtauglichkeit hin untersucht und eine Cloudlösung von IBM nutzt.

„Stets verfügbar“ sind sie dort unbestritten – nur eventuell für die Falschen.

Stuttgarter Zeitung, 2. März 2015

Google stellt auf dem Mobile World Congress in Barcelona sein „Project Ara“ der Öffentlichkeit vor. Solchen Baukasten-Smartphones wird eine große Zukunft vorhergesagt. Jeder Nutzer kann sie individuell nach seinen Bedürfnissen zusammenstellen. Die erhoffte Trendwende zu weniger Elektroschrott bringt das aber wohl nicht.

Dave Hakkens Schlüsselerlebnis war ein Reparaturversuch: Der niederländische Designer war froh als er entdeckte, dass in seiner kaputten Digitalkamera nur ein kleines Bauteil ausgetauscht werden musste. „Das war einfacher gesagt als getan“, sagt er heute desillusioniert. Nirgends gab es das Teil zu kaufen, niemand konnte die Kamera reparieren. „So wachsen die Berge an Elektroschrott.“ Noch häufiger seien es Smartphones, die wegen eines defekten Teils komplett entsorgt werden müssten. Der Umweltschützer und Technologiefan Hakkens ärgerte sich nicht lange, sondern startete im September 2013 „Phonebloks“ (https://phonebloks.com/en), eine Kampagne für ein modulares Smartphone, die innerhalb weniger Wochen zig Millionen Anhänger im Netz fand. Sie alle teilen die Forderung Hakkens, ein zusammensteckbares Smartphone zu entwickeln, dessen kaputte Teile vom Nutzer einfach ausgetauscht werden können. Viele Hacker unter ihnen erklären sich bereit, ein solches Produkt mit zu entwickeln.

Das machte Druck auf Google: Parallel zu Hakkens hatte der Konzern offenbar ebenfalls an einem modularen Konzept gearbeitet. Als klar wurde, wie groß die Phoneblok-Bewegung ist, ging Google mit seinem  „Project Ara“ an die Öffentlichkeit und bot an, die Community mit einzubeziehen. Unter dem kritischen Blick Hakkens und seiner Unterstützer arbeitet Google seither an einem modularen Smartphone, das auf dem Mobile World Congress in Barcelona erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden soll.

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Technology Review 3/2015

Das Auge isst nicht nur mit – es schmeckt auch mit. Charles Spence, Psychologe an der University of Oxford, hat mit diesem Wissen ziemlich irritierende Gerichte gezaubert.

Auszug meines Interviews mit Charles Spence

Erste Cafés verbannen Smartphones, Restaurants werden zu WLAN-freien Zonen – und Sie wollen Technologie und Essen zusammenbringen. Ist das der richtige Zeitpunkt?

Charles Spence: Absolut. Technologie soll uns nicht länger vom Essen ablenken, sondern uns helfen, es noch mehr genießen zu können. Ich untersuche, wie Licht, Musik und Farben den Geschmackssinn beeinflussen. So wird das Essen zu einem ganzheitlichen Erlebnis.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Probanden aus Ihrer aktuellen Studie beim Essen gegenübersitzen will. Eine Augmented-Reality-Brille assoziiere ich nicht gerade mit einem romantischen Dinner

Bei dieser Studie geht es auch nicht um Romantik, sondern um die Frage, ob uns Augmented Reality helfen kann, wenn es in Zukunft manche Lebensmittel nicht mehr gibt – beispielsweise ausgestorbene Fischarten. Wir können sie auf diese Art nachempfinden – jedenfalls dann, wenn wir uns noch auf irgendeine Art an den Geschmack erinnern.

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Stuttgarter Zeitung, 17. Februar 2015

Eine neue Gruppe am Tübinger Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme will Roboter zu autonomen Bewegungen befähigen. Was uns Menschen leicht fällt, ist für Maschinen kompliziert.

Manchmal ärgert Ludovic Righetti Roboter – im Dienste der Wissenschaft versteht sich. Er gibt ihnen hinterrücks einen Schubs, wackelt an der Bodenplatte, auf der sie stehen, oder verschiebt den Gegenstand, den der Roboter vom Tisch greifen soll. Und dann freut sich der junge Wissenschaftler am  Tübinger Max-Planck-Institut für intelligente Systeme, wenn sein Gegenüber die Aufgabe trotzdem meistert. Denn das ist seine Forschung: Er will Roboter dazu befähigen, sich autonom bewegen zu können.

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Stuttgarter Zeitung, 21. Januar 2015

Was Google jetzt als „Neustart“ für Googleglass ankündigte, ist in Wirklichkeit das Eingeständnis des Scheiterns. Vieles an der Datenbrille war nicht ausgereift. Sie scheiterte aber letztlich an den weniger offensichtlichen, umso grundlegenderen Problemen.

„Neustart für Googleglass“: Was Ende vergangener Woche viele Zeitungen vermeldeten, klingt in den Ohren Unbedarfter vielleicht wie eine positive Nachricht. Und Google tut alles, um disen Eindruck zu verstärken: Das Team rund um die Brille sehe sich nun "einen Schritt weiter vom Konzept hin zur Realität“, ließ der Konzern verlauten. In Wirklichkeit gesteht Google damit aber ein, dass sein Konzept der Datenbrille vorerst gescheitert ist. Schließlich steckt hinter der Meldung die Tatsache, dass die aktuelle so genannte explorers-Version der Brille, die einige Monate lang als öffentliche Testversion für 1500 Dollar an die Öffentlichkeit verkauft wurde, nun eingestellt wird. Im Gegensatz zum früheren Vorgehen rund um die Datenbrille gibt sich Google diesmal verschwiegen, was die Zukunft betrifft. Was in etwa das künftige Modell können soll und wann es auf den Markt kommt – dazu gibt es keine Informationen. Das klingt nach Ratlosigkeit. Zu Recht, wie europäische Forscher meinen. Denn die Brille ist nicht nur an den offensichtlichen Problemen gescheitert.