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Technology Review 02/16, Februar 2016

Politiker fordern Propagandamaterial von Terrororganisationen wie dem IS im Internet zu löschen. Sinnlos, sagt Zahed Amanullah vom Institute for Strategic Dialogue in London. Er setzt auf das Datenwissen von Google und Facebook, um dem Radikalismus Einhalt zu gebieten.

Herr Amanullah, Sie arbeiten mit Google, Facebook und Twitter zusammen, um Hasskommentare und Propaganda auf diesen Netzwerken einzudämmen. Dabei beeinflussen Sie die Inhalte, die Nutzer zu sehen bekommen. Wie haben Sie die Unternehmen dazu gebracht, mit Ihnen zusammen zu arbeiten?

Das war leicht. Wir haben ihnen in einer ersten Studie vor Augen geführt, wie sehr beispiesweise der IS ihre Netzwerke zur Propaganda benutzt, wie dort neue Terroristen rekrutiert werden. Sie waren sehr betroffen - und sehr offen für die Zusammenarbeit. Die Macher von Facebook und Co wollen schließlich, dass ihre Plattformen für Gutes genutzt werden.

Wenn diese Frage bei den Netzwerken Priorität hat, wieso kommen diese dann so schlecht dagegen an?

Die Anbieter haben lange versucht, entsprechende Profile und Posts zu löschen. Aber die Extremisten sind so gut vernetzt, dass das zu langsam ist. Die Inhalte gehen trotzdem raus und verbreiten sich schnell. Löschen funktioniert nicht.

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Bild der Wissenschaft 01/2016

Einige ereignisreiche Tage im Leben des jungen Professors, der sich wie ein Detektiv auf die Spuren der Internetsucht begibt.

Ping! Christian Montag ist gerade im Büro angekommen, hat den Computer hochgefahren und die Bilder des jüngsten Hirnscans geöffnet, schon ertönt dieses vertraute „pling“, das eine Whatsapp-Nachricht auf seinem Smartphone ankündigt. „Dieses Ding“, sagt der 38-jährige Psychologe mit empörtem Unterton und fixiert sein Handy neben der Tastatur, „dieses Ding, das macht uns doch ganz kirre.“ Er angelt danach und stellt es auf lautlos. „Dieses Ding frequentiert unseren Alltag“, setzt er hinterher, „es unterbricht uns ständig beim Arbeiten. Wir können uns gar nicht mehr richtig konzentrieren.“ Er legt es weg und schaut ratlos vom BAP-Poster auf der einen Seite seines Büros zum Foto an der anderen Wand, das ihn selbst als Rockgittaristen zeigt . „Wo waren wir gerade?“

Und damit wären wir beim Thema. Christian Montag treibt die Frage um, wie sich Smartphone, Internet und Co auf unser Gehirn auswirken. Er ist kein Technologiekritiker. Aber als Psychologe weiß er, wie sehr ständige Unterbrechungen unser Arbeitsgedächtnis belasten. „Wir kommen heutzutage gar nicht mehr in einen konzentrierten Arbeitsflow“, sagt er. Denn dafür braucht man eine unterbrechungsfreie Zeit am Stück. Wer zu viele Baustellen gleichzeitig im Arbeitsalltag überblicken muss, der wird unkonzentriert und vergesslich. Und ist am Ende des Tages unzufrieden, weil er nicht recht voran kam. Das zermürbt viele.

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Am Montag, 22. Februar, startet mein erster Workshop "Pressearbeit für WissenschaftlerInnen" für den Sonderforschungsbereich "Quantitative Methods for Visual Computing" in Stuttgart. Ein zweiter Workshop findet am 4. April in Konstanz statt.

Inhalte sind unter anderem:

  • Interaktiver Vortrag: Wie funktioniert die Presse? Nach welchen Kriterien werden News ausgewählt?
  • Spiele, Übungen und Tricks, um das Thema in der eigenen Forschung zu finden
  • Bad Practice: aus anderer Leute Fehler lernen
  • Selbst besser machen: Am Ende hat jeder eine kleine Meldung geschrieben (es ist gar nicht so schwer!)
  • Warum erfolgreiche Pressemitteilungen trotzdem manchmal ein Problem haben
Ein Highlight werden die vom spektrum-Kollegen Mike Beckers gesammelten "Kontextlosen Pressebilder" sein: Hier gibts die komplette Sammlung.

Für die Teilnehmer gibt es hier die Folien (passwortgeschützt).

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Jetzt will ich es wissen! Wir sitzen im Besprechungsraum am Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung und schauen gebannt auf die Leinwand, auf der Textwolken auftauchen. Wir: Stern-Investigativ-Reporter Rainer Nübel, die Computerlinguisten Andre Blessing und Jonas Kuhn und ich. Werden diese Wolken uns helfen können, Lobbyisten zu enttarnen?

Seit Jahren schreibe ich über Automatisierung, darüber, wie Maschinen uns Arbeit abnehmen können, über künstliche Intelligenz, lernende Algorithmen  - und wie diese zu guten und richtigen Ergebnisse kommen, die uns weiter bringen. Eines hat sich durch viele Recherchen durchgezogen: die Erkenntnis, dass die Kombination aus Mensch und Maschine ein Erfolgsmodell ist: Maschinen sind gut darin, Muster in großen Datenmengen zu erkennen. Menschen sind gut darin zu erkennen, ob es sich um sinnvolle Muster handelt und können den Maschinen mit einigen wenigen Regeln die richtige Richtung weisen. Mit unserem Datenjournalismus-Projekt Debate Explorer habe ich erstmals die Möglichkeit, das in der Praxis zu verfolgen, worüber ich bisher nur aus der externen Perspektive geschrieben habe: selbst eine künstliche Intelligenz mit zu trainieren, die uns Journalisten in Zukunft die Fleißarbeit abnehmen könnte.

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Im April 2015 bin ich auf einem Vortrag von Jonas Kuhn, Professor für Computerlinguistik an der Uni Stuttgart, über die automatische Analyse großer Textmengen. Er zeigt an beeindruckenden und einleuchtenden Beispielen, dass jene Algorithmen erfolgreich sind, die teilweise regelbasiert und teilweise selbst lernend nach Mustern suchen. Wenn Maschinen Sprache rein nach statistischen Verfahren lernen, kommen sie zwar recht weit, aber irgendwann stoßen sie an ihre Grenzen: So wird der englische Satz „Producing fluent German tends to be quite hard.“ (Es scheint schwierig zu sein, fließendes Deutsch zu erzeugen)  bei Googletranslate zu dieser Zeit beispielsweise übersetzt mit „Herstellung fließend Deutsch neigt dazu, ziemlich hart.“ Also ziemlicher Buchstabenmüll.

Wenn Menschen hingegen ein paar Regeln hinzugeben, sind die Maschinen erfolgreicher, erklärt Jonas Kuhn auf seinem Vortrag. Die Herausforderung ist, die richtige Mischung herauszufinden: Die Maschine nicht zu sehr einzuschränken, aber ihr auch nicht zu große Freiheiten zu lassen, die sie auf die falsche Spur führt. Nach dem Vortrag frage ich Jonas Kuhn, ob wir nicht ein gemeinsames Projekt starten könnten: schon lange frage ich mich, inwiefern Lobbyisten Politiker beeinflussen.