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Stuttgarter Zeitung, 12. Oktober 2015

Philipp Berens erforscht die Netzhaut mit Bigdata-Methoden und stellt damit einige Wahrheiten seines Faches auf den Kopf.

Philipp Berens hat alles anders gemacht, als es jungen aufstrebenden Wissenschaftlern heute empfohlen wird: er verbrachte seine gesamte wissenschaftliche Laufbahn in Tübingen. Er verabschiedete sich zwei Mal in Elternzeit – beim zweiten Mal für ein ganzes Jahr. Und er arbeitete bisweilen Teilzeit. Trotzdem Karriere zu machen ist nicht selbstverständlich. „Ich hatte einfach Glück“, sagt der 34 Jahre alte Bioinformatiker: Professoren zeigten Verständnis für seine Lebensweise, Kollegen akzeptierten, dass er zeitweise wirklich nur bis 15 Uhr und dann erst wieder ab 20 Uhr ansprechbar war: wenn die Kinder im Bett sind. Mit dieser Strategie hat er es zum glücklichen Vater und zum erfolgreichen Wissenschaftler gebracht: er wurde jüngst mit einem der weltweit höchst dotierten Nachwuchs-Förderpreise ausgezeichnet.

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spektrum.de/Spektrum der Wissenschaft, 1. Oktober 2015 - Link

Brauchen wir neue gesellschaftliche Konventionen angesichts der zunehmenden Automatisierung? Forscher diskutieren, wie unsere Werte im digitalen Umbruch gesichert werden können. Auch der Mensch muss sich dabei neu definieren.

„Entschuldigen Sie bitte, wo ist denn hier die Liste der Dinge, die nicht automatisiert werden sollen?“ Wenn es nach dem Zukunftsforscher Alexander Mankowsky geht, ist das die erste Frage, die man den Verantwortlichen eines Automatisierungsprojektes jeder Art stellen sollte – sei das ein autonomes Auto oder eine Smart City. „Die schauen dann meistens ganz verblüfft“, sagt Mankowsky und grinst. Dabei findet er diese Frage gar nicht abwegig. Der Philosoph interpretiert dieses Bewusstsein über das nicht-Automatisierbare als Indikator dafür, inwiefern die menschliche Freiheit mitgedacht wird. Soziale Wahrnehmung lasse sich nicht automatisieren, und auch der Mensch der Zukunft sollte die Freiheit zur Willkür haben: Spontane Aktivitäten, die eine Maschine nicht vorhersehen kann. Und trotzdem nicht unter die Räder kommen.

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Stuttgarter Zeitung, 15. September 2015

Frieder Nake ist einer der Pioniere der Informatik und der Vater der Computerkunst. Aber was die Menschen heute mit den Maschinen machen, das stimmt den früheren Stuttgarter skeptisch.

Eines stimmt sicher: „Too old to die young“ prangt auf dem schwarzen T-Shirt des Mannes, der da vor der Tafel steht. Er geht auf die 80 zu, jung stirbt er jedenfalls nicht mehr. Aber sollen sie ansonsten alles glauben, was der Informatikprofessor da vorne erzählt? Die Studierenden schauen skeptisch. „Ihr braucht keine Angst vor der künstlichen Intelligenz haben. Die kann es gar nicht geben“, ruft der kleine drahtige Mann in schwarzer Hose, schwarzen Sportsocken und schwarzen Birkenstocks in die Runde. „Element of crime“, steht unter dem Spruch auf seinem Shirt. Der Professor spürt die Skepsis. „Später werdet ihr euch an mich erinnern und an dieses „crime“ und euch denken: was war das? Das muss ein Krimineller gewesen sein“, sagt er und lacht.

Frieder Nake wirkt in diesem Seminarraum an der Bremer Kunsthochschule wie aus der Zeit gefallen. Seine Studenten sind mehr als 50 Jahre jünger als er, sie kennen ihn bisher nur aus Büchern, seine Werke aus Ausstellungen - und viele sind genau deshalb gekommen: er ist der Vater der Computerkunst, er ist überhaupt einer der ersten Menschen, die Computer programmiert haben. Er verkörpert ein Leben, das mit der Liebe zur Computersprache begann. Eine zwiespältige Liebe, wie sich im Laufe der Zeit herausstellen sollte.

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Spektrum.de/Spektrum der Wissenschaft, 25. August 2015 - Link

Den Begriff Smart Traffic verbinden die meisten mit Parkplätzen, die ihre Belegung per App melden, und computergesteuerten Ampeln, die den Verehr effizient durch die Stadt lotsen. Die allumfassende Vernetzung des Verehrs ist weitreichender. Umstritten ist allerdings, ob sie aus dem Großstadt-Stau und zu nachhaltigem Verkehr führt.

Das autonome Auto fährt vor, der Park-and-Ride-Parkplatz ist bereits reserviert, der öffentliche Bus vom Auto über den Neuankömmling informiert. Das Auto spuckt den Pendler an der Station aus, im selben Moment kommt der Bus. Der fährt nicht alle Haltepunkte an, sein Navigationsgerät weiß, an welchen Stationen weitere Fahrgäste warten. Manche von ihnen sind per Fahrrad gekommen – an jeder Haltestelle gibt es sichere Fahrradgaragen -, andere kommen in einer Fahrgemeinschaft mit Nachbarn, deren Wege sich hier trennen. Und drei Stationen später kommt eine Pendlerin angerannt, die sonst immer mit dem Auto zur Arbeit fährt. Aber ihr persönlicher Verkehrsassistent hat einen langen Stau erkannt und ihr vorgeschlagen, ein paar Minuten früher loszugehen und Bus und Bahn zu nehmen. Sie sei natürlich frei in Ihrer Entscheidung, so die App: „Sie können sich auch in den Stau stellen, Sie erreichen Ihr Ziel dann aber 25 Minuten später.“ Keine Frage: Ein Klick, der Busstopp ist angemeldet, das Ticket gekauft, und das Smartphone lotst die ÖPNV-Novizin auf dem direkten Weg zur Haltestelle.

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Neue Züricher Zeitung, 13. August 2015

Ein junger Informatiker aus Zürich begründet eine Bewegung für mehr soziale Kontakte im echten Leben – vermittelt durch Computer. Zuerst wird er von seinen Kollegen belächelt. Jetzt holt der Mainstream auf.   

Männer in Hemd und Krawatte ziehen Grimassen, eine stolze Doktorandin hält umringt von Freunden  ihre Dissertation in die Kamera, eine Mutter und ihre beiden kleinen Töchter springen in die Höhe: diese Szenen hat die „Moment Machine“ festgehalten, ein öffentliches Display an der Universität Lugano mit eingebauter Kamera. Wer immer möchte, kann sich hier allein oder mit Freunden  fotografieren lassen, das Bild erscheint auf dem Display und auf Facebook. Allein lässt sich hier kaum einer abbilden: es sind fast nur Gruppen von Menschen, die sichtlich Spaß haben.

Mittendrin steht manchmal Nemanja Memarovic, stolz auf sein bislang erfolgreichstes Projekt, und freut sich, wie die Technologie Menschen zusammenbringt. Der 32-jährige Informatiker der Universität Zürich hat die „Moment Machine“ mit Kollegen in Lugano entwickelt. Im Gegensatz zu all den sozialen Netzwerken, die Momente im Leben ihrer Nutzer nur abbilden, kreiert Memarovics Maschine solche: Menschen treffen sich und tauschen sich aus. Wie wertvoll solche Momente sind, das weiß Memarovic, seit sie ihm einst entglitten sind.