Meine Themengebiete

091030_stz_vogelspinnen.jpg

Stuttgarter Zeitung, 30.10.2009  - pdf

Früher hatte Volker von Wirth Angst vor Spinnen. Heute lebt er mit zahlreichen Vogelspinnen unter einem Dach. Sogar neue, bislang unbekannte Arten hat der Forscher entdeckt. Und er pflegt eine aussterbende Wissenschaft: die Taxonomie.

Hätte er nur den Keller seiner Großeltern damals nicht entdeckt. Dann würde er heute nicht hier sitzen, hier in einem kleinen Arbeitszimmer in Großbottwar bei Ludwigsburg, und in aller Herrgottsfrühe mit diesem haarigen Spinnenbein kämpfen. Er zieht es mit Pinzetten an beiden Enden in die Länge, aber das tote Bein knickt immer wieder an einem der vielen Gelenke ein. Das Bein hängt an einem dicken runden Spinnenkörper, fellig und nass wie ein neugeborenes Entlein. Er packt das Tier schließlich am Ende des Beines, der Körper baumelt wie ein Pendel über der Plastikdose, in der die Spinne in Alkohol eingelegt war. Tropfen sammeln sich an den Haarspitzen und landen auf dem Schreibtisch.

091008_stz_brennpunktkicker1.png

Stuttgarter Zeitung, 08.10.2009 - pdf

Früher hieß der Verein Hilalspor und hatte nur türkische Mitglieder. Heute treten beim FC Stuttgart Spieler aus dreizehn Nationen gegen den Ball. Die C-Jugendlichen Pa-Kully, Sinan und Wael träumen von einer großen Karriere.

Am Hallschlag, wo die Häuser gleichförmig Schlange stehen, eines am anderen, drei Stockwerke, immer gleich, da ist Pa-Kullys Zzuhause. Abends spielt er auswärts. Die massiven Eisenstäbe rattern laut mit jedem Ball, den Pa-Kully und seine Freunde energisch gegen das Metall kicken. Pa-Kully hat breite Schultern und Hummeln im Hintern. „Let’s play Fußball“, ruft er. Oder: „He, rennt doch mal.“ Und, zum Kleinsten in der Gruppe: „Chill doch mal mit dem Ball, chill doch.“

stern.de, 12.11.2008  -  online

In der Adventszeit stellen wir jeden Tag einen Menschen vor, den sein Engagement für andere oder der Umgang mit dem eigenen Schicksal auszeichnet. Heute: Zackie Achmat. Der Südafrikaner kämpft für die Anerkennung der HIV-Positiven in seinem Land.

Die jungen Männer sitzen dicht gedrängt in dem kleinen Raum eines heruntergekommenen Hauses im Slum Khayelitsha, nahe Kapstadt. In ihrer Mitte Zackie Achmat, 46. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "HIV positive". Die Männer planen Großes: Eine Demonstration gegen Gewalt und für die Rechte von Homosexuellen. "An diesem Marsch sollte niemand unter 16 Jahren teilnehmen - die Lage ist alles andere als einfach", sagt Achmat besorgt.

stern.de, 03.07.2008  -  online

Nach 15 Jahren rekrutiert die europäische Weltraumagentur wieder Astronauten, der Ansturm ist enorm. 1000 glückliche Kandidaten haben eine Einladung zu ersten psychologischen Tests bekommen. Doch wie wählt man aus so vielen Bewerbern die vier Besten aus?

Frank Danesy steht vor einer der größten Herausforderungen seiner Karriere. Der Personalchef der Esa am europäischen Astronautenzentrum in Köln ist verantwortlich für die Auswahl der künftigen Raumfahrer. "Das ist ein Riesenprojekt", stöhnt er. Gleichzeitig der Traum schlechthin für einen Personaler, der gerne aus dem Vollen schöpft: 10.000 Bewerber für vier Stellen, 1000 Einladungen zur ersten Augenschau, 44 von ihnen trifft Danesy gemeinsam mit seinen Kollegen nun täglich in Hamburg.

stern.de, 18.06.2008 - online

Simbabwe hat weltweit die höchste Inflation, ein Brot kostet sechs Millionen Simbabwe-Dollar – staatlicher Festpreis. Schneller geht es auf dem Schwarzmarkt gegen 15 Millionen. Wer überleben will, braucht die richtigen Kontakte - und weite Hosentaschen, um die gerollten Geldscheinbündel zu verstauen.

Paul bündelt Zehn-Millionen-Scheine, immer Hundert bilden einen Stapel, den er mit einem Haushaltsgummi umwickelt: Eine Milliarde Simbabwe-Dollar. Am Ende liegen zahlreiche solcher Bündel um ihn herum verteilt auf dem Tisch. Die Tageseinnahme seines Steakhauses. Vor allem Weiße und Militärs kommen in das kleine Restaurant in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt Simbabwes. Paul verstaut die Päckchen in Plastiktüten. Dann beginnt der Wettlauf mit der Zeit. „Ich muss sie so schnell wie möglich auf dem Schwarzmarkt gegen Devisen tauschen“, sagt der Mittdreißiger. Denn der simbabwische Dollar verliert täglich dramatisch an Wert. Banken geben keine fremde Währung heraus. Wer keinen Zugang zu Devisen und keine Kontakte zum Schwarzmarkt hat, ist verloren.