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stern.de, 19.11.2010  -  online

Die ESA hat ihre neuen Raumfahrer vorgestellt. Mit dabei Alexander Gerst, der 2014 als erster der sechs zur ISS fliegen soll. Er hat zudem gute Chancen, eines Tages der erste Deutsche auf dem Mond zu sein. Ein Gespräch mit stern.de über den Sinn der bemannten Raumfahrt, außerirdisches Leben und die Suche nach den eigenen Grenzen.

Herr Gerst, nächste Woche beenden Sie in einer feierlichen Abschlusszeremonie Ihr Basistraining - quasi das Grundschulzeugnis an der Astronautenschule. Sie absolvieren eine sehr teure Ausbildung auf Kosten des Steuerzahlers. Macht das Druck? Nun, ich versuche, mein Bestes zu geben, immerhin ist es ein großer Vertrauensvorschuss und es ist ungewöhnlich für mich, sozusagen Vorschusslorbeeren zu bekommen. Als Wissenschaftler bin ich es gewohnt, nach Resultaten bemessen zu werden.

stern.de, 16.09.2010  -  online

Die Opferangehörigen des Amoklaufs von Winnenden kamen mit großen Erwartungen zum Prozessauftakt, aber die erste Verhandlung brachte sie auf. Vielen war das Aufeinandertreffen zu schmerzhaft.

Barbara Nalepa sitzt mit rot verweinten Augen im Saal 1 des Stuttgarter Landgerichts, auf dem Tisch vor ihr eine Packung Taschentücher, das Foto ihrer verstorbenen Tochter Nicole in der Hand. Es ist nicht einfach für sie und auch nicht die anderen Angehörigen der Opfer des Amoklaufs von Winnenden. Seit mehr als einem Jahr warten sie auf diesen Tag. Sie wollen dem Vater des Täters in die Augen sehen, mit dessen Waffe Tim K. am 11. März 2009 15 Menschen, großteils Schülerinnen seiner ehemaligen Schule, und dann sich selbst erschoss.

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Der Tagesspiegel, 29.08.2010  -  pdf

Der Schauspieler Walter Sittler steht an der Spitze der Protestbewegung gegen das Projekt Stuttgar 21. Eine Protestwoche an der Seite des späten aber kompromisslosen Rebellen zeigt, wieso es im Stuttgarter Talkessel brodelt.

40 000 tanzen nach seiner Pfeife. Die Pfeife baumelt an einem roten Band um den Hals von Walter Sittler. Sie ist seit Wochen sein wichtigstes Utensil. Der Schauspieler steht auf der Rednertribüne vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof, hebt die Hände und fängt an, von zehn abwärts zu zählen. Bei „acht“ stimmen die 40 000 Menschen auf der Freitagsdemonstration mit ein, 7,6,5,4. Bei „eins“ holt Sittler tief Luft, die Menge mit ihm, bei „null“ bläst er in die Pfeife: Auf vom Platz vor ihm ertönt ein ohrenbetäubender Lärm. 40 000 Menschen trillern, trommeln, schreien. Nach genau einer Minute hebt Sittler wiederum die Arme und streicht wie ein Dirigent am Ende des Stückes quer durch die Luft. Schlagartig Ruhe. „Oben bleiben!“, skandiert der Schauspieler dann den Schlachtruf der Gegner des geplanten Tiefbahnhofes. Der Stuttgarter Talkessel hallt wider vor Protestrufen.

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Stern Ratgeber Bildung, 1/2010

An der Grund- und Hauptschule Altingen in Ammerbuch, Baden-Württemberg, dürfen die Schüler mitbestimmen, ihre Lehrer manchmal sogar überstimmen.

Die Neuntklässler sitzen im Stuhlkreis in ihrem Klassenzimmer. An der Tür hängt ein Zettel, auf dem steht: "Du bist nicht nur verantwortlich für das, was du tust, sondern auch für das, was du nicht tust." Es ist still. Einige Mädchen schauen verlegen auf den Boden, zwei Jungen in bunten Kapuzenpullovern blicken demonstrativ aus dem Fenster, die Unterlippen trotzig nach vorne geschoben. Nur Markus (Name geändert) grinst. Der schlaksige Junge flätzt auf seinem Stuhl, die Hände in den Hosentaschen, die Beine streckt er lässig in die Runde. Ihm gegenüber sitzt Rektor Ulrich Scheufele. "Wie fühlt man sich, wenn man über ein ernstes Problem sprechen will und andere lachen?" fragt er.

stern.de, 23.4.2010 - online

Das "Ossi-Urteil" eines Stuttgarter Gerichts ist eine eklatante Fehlentscheidung - das sagt der Ethnologe Thomas Bierschenk. Im stern.de-Interview erklärt er, warum die Ostdeutschen natürlich ein eigener "Stamm" sind.

Sie bezeichnen "Ossis" als eine Ethnie. Das klingt verwegen. Eine zweite deutsche Ethnie wie ein Stamm in Afrika? Wir haben im Alltag oft eine veraltete Vorstellung vom Begriff der Ethnie. Das gleiche Problem hatte der Stuttgarter Arbeitsrichter: Eine Frau klagt, sie sei aufgrund ihrer ethnischen Herkunft Ostdeutschland diskriminiert worden. Jetzt musste der arme Richter entscheiden, was eine Ethnie ist. Dafür hat er auf eine veraltete Definition aus dem 18. Jahrhundert zurückgegriffen.