Wissenschaftsreportage Technik Eva Wolfangel

Wissenschaftsreportage / Technik

Wissenschafts- und Technikthemen mit der kreativen Stilform der Reportage zu verbinden, das ist meine Leidenschaft. So wird für die Leserinnen und Leser fühlbar, wie unsere Zukunft aussieht. Einige meiner großen Technik-Reportagen haben schon öffentliche Diskussionen in Gang gesetzt über die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen.

stern.de, 23.4.2010 - online

Das "Ossi-Urteil" eines Stuttgarter Gerichts ist eine eklatante Fehlentscheidung - das sagt der Ethnologe Thomas Bierschenk. Im stern.de-Interview erklärt er, warum die Ostdeutschen natürlich ein eigener "Stamm" sind.

Sie bezeichnen "Ossis" als eine Ethnie. Das klingt verwegen. Eine zweite deutsche Ethnie wie ein Stamm in Afrika? Wir haben im Alltag oft eine veraltete Vorstellung vom Begriff der Ethnie. Das gleiche Problem hatte der Stuttgarter Arbeitsrichter: Eine Frau klagt, sie sei aufgrund ihrer ethnischen Herkunft Ostdeutschland diskriminiert worden. Jetzt musste der arme Richter entscheiden, was eine Ethnie ist. Dafür hat er auf eine veraltete Definition aus dem 18. Jahrhundert zurückgegriffen.

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Stuttgarter Zeitung, 30.10.2009  - pdf

Früher hatte Volker von Wirth Angst vor Spinnen. Heute lebt er mit zahlreichen Vogelspinnen unter einem Dach. Sogar neue, bislang unbekannte Arten hat der Forscher entdeckt. Und er pflegt eine aussterbende Wissenschaft: die Taxonomie.

Hätte er nur den Keller seiner Großeltern damals nicht entdeckt. Dann würde er heute nicht hier sitzen, hier in einem kleinen Arbeitszimmer in Großbottwar bei Ludwigsburg, und in aller Herrgottsfrühe mit diesem haarigen Spinnenbein kämpfen. Er zieht es mit Pinzetten an beiden Enden in die Länge, aber das tote Bein knickt immer wieder an einem der vielen Gelenke ein. Das Bein hängt an einem dicken runden Spinnenkörper, fellig und nass wie ein neugeborenes Entlein. Er packt das Tier schließlich am Ende des Beines, der Körper baumelt wie ein Pendel über der Plastikdose, in der die Spinne in Alkohol eingelegt war. Tropfen sammeln sich an den Haarspitzen und landen auf dem Schreibtisch.

stern.de, 03.07.2008  -  online

Nach 15 Jahren rekrutiert die europäische Weltraumagentur wieder Astronauten, der Ansturm ist enorm. 1000 glückliche Kandidaten haben eine Einladung zu ersten psychologischen Tests bekommen. Doch wie wählt man aus so vielen Bewerbern die vier Besten aus?

Frank Danesy steht vor einer der größten Herausforderungen seiner Karriere. Der Personalchef der Esa am europäischen Astronautenzentrum in Köln ist verantwortlich für die Auswahl der künftigen Raumfahrer. "Das ist ein Riesenprojekt", stöhnt er. Gleichzeitig der Traum schlechthin für einen Personaler, der gerne aus dem Vollen schöpft: 10.000 Bewerber für vier Stellen, 1000 Einladungen zur ersten Augenschau, 44 von ihnen trifft Danesy gemeinsam mit seinen Kollegen nun täglich in Hamburg.