Virtuelle Realität Eva Wolfangel

Virtuelle Realität

Als ich 2016 zum ersten Mal in die Virtuelle Realität gereist bin, mit Headset und Kopfhörern, und schlagartig in einen anderen Raum gebeamt war und dort verrückt fremde Menschen kennen gelernt habe, da wurde mir klar: diese Realität wird viel verändern. Die Technologie hat ein riesiges Potential für ein gutes Leben - und sie bringt Risiken mit sich. Seither habe ich viel recherchiert über und in dieser anderen Realität. Auf Riffreporter.de habe ich die VR-Reporterin eröffnet: Unterstützt durch mein Publikum steige ich dort noch tiefer in die Recherche ein und baue gefördert von der ZEIT-Stiftung eine eigene journalistische Plattform in der Virtuellen Realität auf. Aktuelle, exklusive Texte von mir gibt es hier, bei der VR Reporterin.

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Die ZEIT, 8. September 2016

(aus rechtlichen Gründen darf dieser Artikel hier nicht komplett erscheinen. Wer nach dieser Leseprobe Lust auf mehr hat, kann in der aktuellen ZEIT weiterlesen)

Soziale Interaktion in der virtuellen Realität wird als Zukunftsvision gehandelt. Aber die junge Technologie hat ein Problem mit sexuellen Übergriffen. Scheitert sie daran?

Hier stimmt etwas nicht. Schon aus dem Augenwinkel sehe ich, wie dieser Mann aus der Ecke des Raumes auffallend zielstrebig auf mich zukommt. Ich bin zum ersten Mal hier, habe mich gerade eben hierher gebeamt aus der anderen, der echten Welt, indem ich ein Virtual-Reality-Headset und Kopfhörer aufgesetzt und damit meinen physischen Körper in meiner Wohnung zurückgelassen habe. Ich habe Controller, die ich in dieser dreidimensionalen anderen Welt um mich herum wie Hände benutzen kann. Es ist, als wäre mein Geist an einen weit entfernten Ort gereist, wo er einen neuen Körper bezogen hat: einen Avatar in AltspaceVR, einem Treffpunkt in der Virtuellen Realität.

Eigentlich würde ich mich gerne diesem verrückt echten Gefühl hingeben, das mich sofort überfällt: Ich bin eingetaucht in eine komplette Welt, drehe mich um mich selbst, gehe ein paar Schritte durch den großen hellen Raum zur Terrassentür, vor der Vögel zwitschern und Grillen zirpen. Ein Bach plätschert neben dem Haus. Eigentlich würde ich jetzt gerne diese andere Welt erkunden, die friedliche Atmosphäre genießen mit den anderen Leuten, die in Grüppchen draußen in der Dämmerung unter den Bäumen stehen und plaudern. Eigentlich würde ich gerne erspüren, was es mit dieser „Social VR“ auf sich hat: die soziale Interaktion in der Virtuellen Realität.

Eigentlich.

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Die ZEIT, 25. Feburar 2016

Die Virtuelle Realität fühlt sich realer an, als sich viele vorstellen können. Und sie kann missbraucht werden. Ein Ethik-Kodex soll der Gesellschaft helfen, die gute Verwendung der Technologie zu sichern.

Dieser Selbstmord war zu viel. Sean Buckley ist nicht allzu zart besaitet, er testet regelmäßig die neuesten Virtual-Reality-Killerspiele für das US-Magazin „engadget“. Aber als sich die junge Frau vor seinen Augen erschoss, zitterte er am ganzen Körper. „Das ist nicht fair, habe ich geschrien, ich bin völlig ausgeflippt“, beschreibt er seine Erfahrung im Nachhinein: „Sie war so real.“

Noch härter traf es die ersten Nutzer einer Demo für ein Sony-Headset. Dort konnte der Spieler die Pistole an die eigene Schläfe  setzen und abdrücken. Der virtuelle Selbstmord versetzte die Betroffenen derart unter Stress, dass das Unternehmen das Feature schnell wieder entfernte. „Dieses Medium ist sehr mächtig, deshalb müssen wir vorsichtig mit dem sein, was wir anbieten“, kommentierte Sony-Chef Shuhei Yoshida den Vorfall. Der Virtual Reality wird für dieses Jahr der Durchbruch auf dem Massenmarkt vorhergesagt. Aber so manche Gamer machen derzeit Erfahrungen, die der Gesellschaft besser erspart bleiben sollten.